Schulsozialarbeit/ Schulprojekt Flucht & Asyl
Um rassistische Einstellungen, Äußerungen und Vorurteile abzubauen, starteten Frau Colin, die Klassenleiterin der Klasse 9b an der Dr. Hugo Rosenthal Oberschule in Hohen Neuendorf und Sylvia Bahr, die Sozialarbeiterin des DRK an dieser Schule im November ein Projekt zum Thema Flucht und Asyl in der Klasse 9b. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt, mit dem Ziel, ein Paket zu schnüren, das auch in anderen Klassen der Schule angewendet werden kann. Dazu kooperieren Frau Colin und Frau Bahr mit dem Asylbewerberwohnheim in Stolpe Süd und mit der Flüchtlingsreferentin Frau Tetzlaft von der Asylberatung in Hennigsdorf.
Bisher haben mehrere Unterrichtseinheiten mit erlebnispädagogischen Elementen stattgefunden, in denen sich die SchülerInnen das Thema erarbeiteten. Zudem hat die Klasse das Asylbewerberwohnheim besucht, und nach einem Rundgang durch das Heim intensive Gespräche mit AsylbewerberInnen aus Afghanistan, Kamerun und dem Kosovo geführt. Die Schicksale der Flüchtlinge und die Lebensbedingungen im Wohnheim haben die SchülerInnen erstaunt. Insgesamt leben in dem Wohnheim ca. 170 AsylbewerberInnen auf drei Etagen. Sie kommen aus 26 Ländern, von allen Kontinenten. So hatten sich die SchülerInnen das nicht ausgemalt. Für sie ist es kaum vorstellbar, z.B. zu viert auf 20m² für mehrere Jahre mit Menschen zu leben, deren Sprache sie kaum sprechen oder sich täglich mit ca. 30 weiteren unbekannten Personen einen Duschraum und eine Küche zu teilen. Dass AsylbewerberInnen nicht arbeiten gehen dürfen, keine Ausbildung machen dürfen und den Landkreis nicht verlassen dürfen, dass sie lediglich Tag für Tag auf einen Brief warten müssen, in dem steht, ob sie bleiben können oder aber abgeschoben werden, war den SchülerInnen nicht bewusst.
Die Klasse möchte nun einen Kuchenbasar an der Schule veranstalten, um für ein paar Weihnachtsgeschenke etwas Geld zu sammeln. Auf Nachfrage hin, haben sich die Flüchtlinge Bücher gewünscht, vor allem ein Deutsch-Grammatikbuch und ein Vokabelbuch.
Diese Woche steht eine Supermarkt-Rallye an: Mit nachempfundenen Wertegutscheinen haben die SchülerInnen die Aufgabe für eine Person für eine Woche einzukaufen: Nahrung, Hygieneartikel, Medikamente, Kleidung und Schuhe. Die Produkte werden natürlich nicht in den Korb gelegt, sondern mitsamt den Preisen auf dem Papier festgehalten. Der Wert der Gutscheine entspricht den tatsächlichen Leistungen, die AsylbewerberInnen zustehen.
Das Projekt soll noch vor Weihnachten abgeschlossen werden. Es ist ein wichtiger programmatischer Schritt für die langfristige Schulentwicklung hin zu einer „Schule ohne Rassismus“.
Sylvia Bahr
Schulsozialarbeiterin

